Gründung der Werkfeuerwehr Weihenstephan am 10. Mai 1864

Im nahen Weihenstephan, im 1804 säkularisierten Benediktiner Kloster und seit 1852 Sitz der Landwirtschaftlichen Zentralschule, befand sich inmitten der Ökonomiegebäude ein großer Heuhaufen, der noch zu einer Schlüsselstellung in der Feuerwehrgeschichte der Stadt werden sollte. Am 25. August 1863 nämlich geriet selbiger Heuhaufen in Brand und drohte auf die angrenzenden landwirtschaftlichen Gebäude überzugreifen. Die junge Freisinger Feuerwehr wurde zu ihrem ersten Brandeinsatz gerufen und konnte ein Übergreifen der Flammen verhindern. Auf Vorschlag der Direktion der Landwirtschaftlichen Zentralschule in Weihenstephan wurde, in Anerkennung der Verdienste der freiwilligen Feuerwehr Freising, dieser ein Zuschuss von 30 Gulden seitens des Staatsministeriums für Handel und öffentliche Arbeiten als Beitrag zur Ausrüstung gewährt.
Die unmittelbare Gefahr noch vor Augen, war für die Direktion der Schule unter Direktor Wentz Anlass genug, von der Freisinger Feuerwehr ein Muster der Satzung zu erbitten und die Gründung einer Werkfeuerwehr in die Wege zu leiten.
Zur damaligen Zeit war dem Lehrbetrieb ein Internat angegliedert und so war es nicht schwer, sofort 25 Freiwillige zu finden. Diese nahmen  bis zum Eintreffen der Ausrüstungsgegenstände an den Übungen der Feuerwehr Freising teil.
Am 10. Mai 1864 wurde die Gründung der Werkfeuerwehr vollzogen und ein Statut nach dem Vorbild der großen Schwester in Freising erstellt. Seitens des Staatsministeriums für Handel und öffentliche Arbeiten wurde ein Betrag von 300 Gulden genehmigt. Von der Firma Metz in Heidelberg wurden zwei Spritzen, eine Stadt- und eine Landspritze, sowie eine Haspel im Wert von 2350 Gulden bestellt. Diese Geräte trafen am 08. Mai 1865 in Weihenstephan ein.
Wenige Wochen später kam dann das neue Löschgerät auch schon zum Einsatz. Am 13. Juni 1865 nämlich brach in Moosburg ein verheerendes Feuer aus. Die Feuerwehren aus Landshut, Freising und Weihenstephan wurden zum Einsatz gerufen. Im Güterwagen, der einem Kurierzug angehängt wurde, erreichten in 13 Minuten die Wehren aus Freising die Nachbarstadt. Bei diesem schweren Brandunglück wurden 108 Dachstühle ein Raub der Flammen. Dies war dann auch der Anlass zur Gründung der Moosburger Feuerwehr.
Als am übernächsten Tag die Löschmannschaften abgekämpft wieder am Bahnhof in Freising eintrafen, wurden sie von einer vierhundertköpfigen Schar Freisinger Bürger begeistert empfangen. Dieser erfolgreiche Einsatz ließ die Mitgliederzahl der Freisinger Wehr auf 200 Mann ansteigen und die letzten Vorurteile gegen die Notwendigkeit einer Feuerwehr verstummen, weiß der Chronist aus Freising zu berichten.
In den Weihenstephaner Journalen finden sich vom 22.Juni 1865 einige öffentliche Anerkennungen für diese Leistung von der königlichen Regierung in München. Eine weitere öffentliche Anerkennung der Regierung von Oberbayern, sowie der Direktion des Bezirksamtes Freising für die mit Umsicht und Tatkraft geleistete, anstrengende Arbeit bei der Niederkämpfung des Rudlfinger Waldbrandes vom 1. Mai 1869 ist in den Journalen enthalten.
Der 15. August 1869 war für die Werkfeuerwehr ein besonderer Tag. Die Frauen und Jungfrauen Freisings, wie es in den Aufzeichnungen heißt, übergaben in einer feierlichen Fahnenweihe die von ihnen gefertigte Standarte.
Schon 1867 fand in Freising eine Delegiertenversammlung zum Zweck der Gründung eines Oberbayerischen Feuerwehrverbandes statt. Bei dieser Versammlung sollte auch Weihenstephans Wehr mit eintreten, was aber  wie Direktor Wentz erläuterte, wegen der Stellung Weihenstephans zum Staat nicht möglich war.
Direktor Wentz bat jedoch die Versammelten, die Werkfeuerwehr Weihenstephan nicht als Außenseiter zu betrachten, sondern sie vielmehr zu jeder Versammlung außerordentlich mit einzuladen, da Weihenstephan eine besondere Aufgabe in Bezug auf das Feuerlöschwesen auf dem Lande zukäme. Die künftigen Gutsherren und Verwalter tragen ja den Feuerwehrgedanken in die Lande hinaus. Darauf Präsident Weber: ,,Meine Herren, Sie haben gerade die freundlichen Worte gehört, die gewiss das freudigste Echo gefunden haben. Wir können die Mitglieder der Feuerwehr Weihenstephans als Apostel des bayerischen Feuerwehrinstitutes begrüßen und erkennen mit Dank an, dass es gelungen ist, unter der Leitung des Herrn Direktor Wentz auch in Weihenstephan ein Corps zu organisieren, das von dort aus die praktischen Ideen der Feuerwehr ins Leben hinausträgt. Diese Anerkennung sind wir der Weihenstephaner Feuerwehr schuldig."
Zwischendurch finden sich in den Aufzeichnungen immer wieder öffentliche Anerkennungen, wie z. B. die des Bezirksamtes Freising und des Bürgermeisters von Vötting, Herrn Habermeier, anlässlich eines Brandes im Vöttinger Gemeindehaus am 7. Januar 1870 oder von der königlichen Versicherungskammer wegen eines Brandes in den Isarauen am 25. Februar 1870 und ein Brand in Freising am 26.11.1882.
Viele Schreiben von Gemeinden aus ganz Bayern und Mittelfranken sind erhalten, woraus hervorgeht, dass diese ihre Feuerwehrstatuten und Einrichtungen nach dem Muster der Weihenstephaner Wehr errichten wollen.

 

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Vötting am 2. Januar 1870

 

1896 wird die Freiwillige Werkfeuerwehr nach Auflösung des Internats zur Pflichtfeuerwehr

 

1919 wieder Betriebsfeuerwehr

Es funktionierte nichts mehr recht und 1926 fand eine Revision statt, bei der festgestellt wurde, dass die Wehr und ihre Geräte in einem desolaten Zustand waren.

 

16.März 1927 Neugründung mit Angliederung an die Ortsfeuerwehr Vötting

 

Ab 1933 wieder selbstständig

Ab dem Jahre 1933, dem Beginn der NS-Herrschaft, wurde die Weihenstephaner Wehr wieder selbständig und 1937 in einen Halblöschzug nach Klasse A mit 27 Mann eingegliedert.
Am 9. November 1943 wurde ein Löschfahrzeug angeschafft, ein LF 8 von Daimler-Benz.
In den Kriegsjahren waren nicht nur verschiedene Einsätze in Freising  sondern auch im benachbarten München und Umgebung zu leisten.

 

Nach 1945

Am 29. April 1945 marschierten die Amerikaner ein. Kommandant Paul Wagner schreibt ganz traurig: ,,Die haben gehaust wie die Vandalen. Das ganze Auto ist demontiert, die Wache sieht einfach katastrophal aus. Alles ist verwüstet."
Um die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen, wurde am 16. Januar 1946 eine Tragkraftspritze (TS 8) von der Firma Metz beschafft.
Am 26. Juni 1948 geht Kommandant Paul Wagner nach 20-jähriger Tätigkeit, davon 15 Jahre als Kommandant, in den Ruhestand. Nach einem Rechenschaftsbericht über seine Tätigkeit schreibt er folgendes:
"Infolge der Entlassungen durch das Entnazifizierungsgesetz ist zwangsläufig eine Verringerung der Mitgliederzahl eingetreten und dadurch das Abhalten der Übungen in Frage gestellt worden. Es war mir jedoch möglich mit einigen Altkameraden die Feuerwehr einsatzfähig zu halten, so dass wenigstens nach außen hin den Vorschriften genüge geleistet werden konnte. Die Entbehrungen, die Nöte und Härte der Zeit als Folgen des verlorenen Krieges, brachten es mit sich, dass ein Interesse am öffentlichen Dienst nicht mehr vorhanden war. Der Leiter der Verwaltungsstelle hat auf meinen Bericht hin an die Instituts- und Betriebsvorstände das Ersuchen gerichtet, jene Mannschaften zu bestimmen, welche an den Feuerwehrübungen teilzunehmen haben. Die Mannschaft wurde daraufhin gemeldet, aber die Teilnahme beträgt durchschnittlich nur 50 % der gemeldeten Mannschaft. Ich erlaube mir hier vorzuschlagen, die Betriebsräte einzuschalten. Es muss wieder werden wie es früher war, der Dienst bei der Feuerwehr muss freiwillig geleistet werden, denn was du gerne tust, gedeihet noch einmal so gut.
Im Interesse des Ansehens der Werkfeuerwehr Weihenstephan hoffe ich, dass sich die Mannschaften der Erkenntnis der Notwendigkeit des Bestehens und der Betreuung dieser Einrichtung nicht verschließen und meinem Nachfolger nach dieser Richtung jede Unterstützung zuteil werden lassen.
Ich schließe mit dem Wunsche, dass sich immer genügend junge Männer finden möchten, welche sich für die hohen menschlichen Ziele der Feuerwehren begeistern und mit der Bitte an die Verwaltungsstelle und die Betriebsvorstände, die Organe der Feuerwehr in ihren Bestrebungen die Werkfeuerwehr Weihenstephan zu einem verlässigen und brauchbaren Instrument zu gestalten, nach Möglichkeit zu unterstützen."
Neuer Kommandant wurde Gartenmeister Fitschen, der später von Heini Lehr abgelöst wurde


Die neuere Vergangenheit

Ab 1961 hieß der Kommandant Leonhard Zerle. In seiner Zeit wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF8), eine Anhängeleiter, ein Pulverlöschanhänger P 250 sowie neue Schutzkleidung angeschafft.

1974 wurde Georg Semperowitsch Kommandant. Er bezog mit der Werkfeuerwehr die neue Unterkunft an der Vöttinger Straße und war für die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges (TroTlf 16), neuer Einsatzkleidung und Uniformen mitverantwortlich. Unter seiner Mitwirkung wurde die Gesamtalarmierung  für Weihenstephan mit zentraler Brandmeldeanlage und automatischer Funkalarmierung eingerichtet und die ersten 20 Funkalarmempfänger ausgegeben.

1980 wurde Josef Grübl Kommandant der Werkfeuerwehr. Unter seiner Leitung wurde ein Löschgruppenfahrzeug (LF 8) und ein Gerätewagen Atem-, Chemie und Strahlenschutz (Gw AS) angeschafft, die Ausrüstung der Feuerwehrleute und die Gerätschaften der Wehr den gewachsenen Aufgaben  entsprechend angepasst.


1996 Einweihung des neuen Feuerwehrhauses

Das neue Gerätehaus zeigt nicht nur nach außen hin welche Bedeutung der Werkfeuerwehr für Weihenstephan im Bezug auf  Brandschutz, Sicherheitsmaßnahmen und Hilfeleistungen  zugemessen wird,  sondern war auch eine Honorierung des Engagements ihrer Mitglieder und des Einsatzes ihrer Leitung.

2000 schied Josef Grübl aus dem aktiven  Dienst  aus, neuer Kommandant wurde Reinhold Zeiler.

Ab dem Jahre 2001 wird der Fahrzeugpark sukzessive ersatzbeschafft und verjüngt. So werden nacheinander ein Sonderlöschmittelfahrzeug, ein Kommandofahrzeug, ein Mehrzweckfahrzeug und ein Gerätewagen-Gefahrgut beschafft. Auch eine DLK findet den Weg nach Weihenstephan. Die Werkfeuerwehr reagiert somit auf die immer steigenden Ansprüche, welche der Wissenschaftstandort in puncto Sicherheit stellt. Auch die Einsatztaktik wird angepasst. So agiert die Werkfeuerwehr ab nun immer in Staffelstärke.

2007 bringt der Werkfeuerwehr eine Überprüfung durch die Regierung von Oberbayern. Es wird ein neuer Anerkennungsbescheid erlassen.

Zwischenzeiltich wurden das Kommandofahrzeug und das Einsatzleitfahrzeug wieder verjüngt, unter anderem, um der neuen Aufgabe des First-Responders gerecht zu werden. 

In 2011 verändert dann auch die Mannschaft ihr Aussehen, da neue Einsatzkleidung in der Farbe beige/blau beschafft wird. 

Im Jahre 2013/2014 werden drei Mitarbeiter des Gebäudemanagements in die Werkfeuerwehr abgeordnet. Sie setzten sich aus dem Leiter, Stellvertreter und einem Gerätewart zusammen.

 

 

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Geschichte der Werkfeuerwehr

Die Werkfeuerwehr der Technischen Universität München am Standort Weihenstephan, ist die wohl die älteste Werkfeuerwehr Bayerns. 

  • 10. Mai 1864 Gründung der Werkfeuerwehr Weihenstephan
  • 1896 Pflichtfeuerwehr
  • 1919 wieder Betriebsfeuerwehr
  • 1927 Neugründung mit Angliederung an die Ortsfeuerwehr Vötting
  • 1933 wieder selbständig
  • 1945 Neubeginn
  • 1996 Neues Feuerwehrhaus
  • 2012 Besetzung mit hauptamtlichen stv. Leiter
  • 2013 Besetzung mit komplett hauptamtlicher Leitung
  • 2014 Besetzung mit hauptamtlichem Gerätewart